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Gesprächsrunde im Sozialladen der Talisa in der Altenburger Friedrich-Ebert-Straße. Von links: Regionalleiterin der Thüringer Arbeitsloseninitiative, ­Marion Beyer, Ralf Plötner, Kreisvorsitzender der Linken im Altenburger Land, Landrätin Michaele Sojka und Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: Ulrike Grötsch

Ulrike Grötsch, aus OTZ, 25. April 2018

Sozialladen in Altenburg beispielhaft für Integration

Ministerpräsident Bodo Ramelow besucht Einrichtung, die die Thüringer Arbeitsloseninitiative übernommen hat

Altenburg. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) war am Montagnachmittag zu Gast im Altenburger Land. Er besuchte die Thüringer Arbeitsloseninitiative (Talisa) in der Friedrich-Ebert-Straße in Altenburg und nutzte die Gelegenheit, um dort mit Mitarbeitern des Sozialkaufhauses und Menschen die die Angebote dieser Einrichtung nutzen, ins Gespräch zu kommen.

Marion Beyer, Regionalleiterin Ostthüringen der Talisa, und Landrätin Michaele Sojka (Linke) waren bei dieser Gesprächsrunde im Sozialkaufhaus wie auch die Vereinsvorsitzende der Talisa, Ingrid Schindler, mit dabei. Bodo Ramelow informierte sich, wie der Übergang vom ehemaligen Trägerverein Neue Arbeit zur Talisa gelungen ist. Die Thüringer Arbeitsloseninitiative war vor einigen Monaten für die insolvente Neue Arbeit in die Bresche gesprungen und führt nun die Angebote für sozial bedürftige Menschen in Form des Sozialladens fort. Der Sozialladen befindet sich im ehemaligen Speiseraum der einstigen Firma Altin in der Friedrich-Ebert-Straße in Altenburg.

Wer etwas abzugeben hat, weil er es nicht mehr benötigt und das alles in einem guten Zustand ist, der meldet sich dort einfach. Mitarbeiter prüfen das Angebot, das von Haushaltgeschirr über Möbel und Bücher bis zur Bekleidung reicht. Manches wird gereinigt oder aufgearbeitet und kann dann an Inhaber des Sozialpasses weitergereicht werden, berichtete Marion Beyer, die für das im Sozialladen tätige Team ob deren Einsatzbereitschaft nur lobende Worte fand. Mit dieser Einkaufsmöglichkeit für Personen mit Sozialpass werde manches Bedürftigen zugeführt, was sonst auf dem Müll landen würde, obwohl es noch in gutem Zustand sei, wie an den dort aufgestellten Möbeln durchaus zu sehen war.

 

Da den Sozialpass im Altenburger Land bei weitem nicht alle beantragt haben, denen er zustehen würde, hat man das Prozedere im Landratsamt Altenburger Land kurzerhand umgestellt, berichtete Michaele Sojka. Nun müsse keiner mehr einen Antrag im Bürgerservice stellen. Sondern dort, wo eine Bedürftigkeit bestehe, wird der Sozialpass nun seitens der Mitarbeiter im Landratsamt ausgestellt und verschickt. Viele Menschen trauten sich einfach nicht, einen diesbezüglichen Antrag zu stellen. Die Gründe seien verschieden, aus Scham oder weil man es einfach nicht weiß, dass man einen Sozialpass beantragen kann. „Da haben wir reagiert und keiner muss nun mehr in den Bürgerservice wegen des Antrages, weil wir ihn nun antragslos verschicken“, erklärte die Landrätin. Auch die Bürgermeister sollten verstärkt nach Möglichkeiten suchen, sozial Schwache zu unterstützen. Der halbe Preis im Freibad wäre eine Möglichkeit. Schulklassen sollten in Museen keinen Eintritt zahlen und eine Mutter, die Hartz IV erhält, sollte künftig auch kostenlos mit ihrem Kind ins Museum gehen können. Schließlich seien die Kultureinrichtungen doch eh staatlich finanziert, meinte sie. Auch die Schülerregionalkarte sollte künftig für alle gelten, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Junge Leute sollten sich nicht unterscheiden, gerade weil ein Drittel der Kinder unter Hartz IV-Bedingungen aufwächst. Die Schülerregionalkarte sollte bei der Erarbeitung des Kreishaushaltes 2019 eine Rolle spielen. Der Ministerpräsident stimmte zu, man müsse gerade in einer Zeit, in der die Menschen auseinanderdividiert werden, das Wertgefühl stärken.

Der Ministerpräsident hofft auf das angekündigte Bundesprogramm, um für weitere Langzeitarbeitslose Möglichkeiten der Beschäftigung bieten zu können. Über das Thüringer Landesprogramm waren im Altenburger Land 20 Personen vor allem bei Vereinen in Arbeit gekommen. Thüringen sei darauf vorbereitet, so Bodo Ramelow, weitere Langzeitarbeitslose in Arbeit bei Trägern zu bringen. Man müsste, so das Bundesprogramm dafür endlich komme, nur in Erfurt dann noch etwas justieren.

Projektleiterin Madlen Sommer, die die Fäden im Sozialladen zusammenhält, hielt den Sozialladen ein Jahr am Leben, als die Neue Arbeit in Insolvenz ging. Sie war also unentgeltlich tätig, weil, wie sie sagte, der Bedarf an preiswerten Gütern ja in Altenburg vorhanden ist. Der Insolvenzverwalter habe das unterstützt, bis Talisa den Sozialladen samt Personal übernahm. „Unser gesamtes Team steht hinter dem Projekt“, berichtete sie. Wir schauen uns die abzugebenden Sachen an, wenn jemand etwas ausrangieren will , ob bei Neueinrichtung oder Haushaltsauflösung, erklärt sie.

Talisa , so Bodo Ramelow sei beispielgebend, wie Langzeitarbeitslose Beschäftigung finden.

Im Jugendtreff East Side informierte sich der Ministerpräsident danach über die Umsetzung des neuen Jugendförderplanes des Landkreises.

Sozialladen Altenburg, Friedrich-Ebert-Straße 33. Montag bis Freitag von 8.30 bis 17 Uhr geöffnet. Wer etwas abgeben möchte, meldet sich unter Telefon (03447) 4 88 85 68 oder direkt im Laden.

Ulrike Grötzsch